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Religiöse Zeremonien

Das dorfliche Leben wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch religiöse Festlichkeiten in Form von Cem bestimmt.

 

Die Cem-Zeremonie wurde insbesondere von den Jüngern oder auch den Kindern der Ismail Agar Hüseyin Aga und deren Söhnen Haydar und Hanifi abgehalten. Es gab in den 50er Jahren in der Nähe des Dorfbrunnens auf den Territorium der Familien Arslan große Räumlichkeiten. In diesen Räumlichkeiten wurde dann Cem zeremoniert. Der Sohn des Ismail Aga, Hanifi Aga, war damals der Vorbeter der Gemeinschaft. Die auch Dede Hanifi genannte Persönlichkeit hatte nicht nur Einfluss innerhalb der Dorfgemeinschaft, sondern auch im Umfeld des Dorfes. Der Hanifi Dede wurde auch zu Cem-Zeremonien anderer Dörfer geladen und war als Priester anerkannt.

 


 

 


 

Neben diesen religiösen Cem-Zeremonien wurden in den Sommerjahren oder auch in bestimmten Formen Gebete abgehalten.

 


Yagmur Duvasi (Regensgebet)

Wenn es längere Zeit nicht geregnet hat, sammelte sich die Dorfgemeinschaft zusammen, sie wurde damals von dem Dede Hanife geführt und begab sich auf den Hügel Hümmit dede. Auf diesem Hümmit dede wurden Schafe und Ziegen geopfert und nach Regen gebetet.

 

Die Dorfgemeinschaft aß, nachdem sie das Opfer gebracht hatte, gemeinsam die gebrachten Tieropfer und verließ dann den Hügel Hümmit dede.

 

Diese Zeremonie wurde bis in die 60er Jahre durchgeführt.

 


  

Hümmit dede

 

Bei dem Hümmit dede handelt es sich um einen Berghügel über dem Dorf Karpinar. Hier befand sich nach den Erinnerungen der älteren Dorfbewohner der Friedhof, Gräber und eine Kirche. Auch heute noch kann man erkennen, dass dort der Boden bearbeitet wurde, dass ältere Bebauungen entweder in Form von Friedhöfen oder Kirchen vorhanden waren.

 


 

Tekören (heilige Quelle)

 

Im unteren Teil des Dorfes Karpinar befindet sich ein Brunnen, der mit dem Namen Tekören bezeichnet wird. Die älteren Bewohner des Dorfes berichten, dass hier in der Vergangenheit Opfer dargebracht wurden, dass Menschen, die diesem Brunnen näher kamen oder auch diesem Brunnen verließen, Geldstücke in den Brunnen warfen und sich etwas wünschten. Insbesondere Frauen, die keine Kinder bekamen oder sich einen Jungen wünschten, gaben Opfer in Form von Wertsachen.

 

Auch noch in heutiger Zeit werden in der unmittelbaren Nähe Tieropfer dargebracht, wenn ein negatives Ereignis sich zum Positiven entwickelt hat oder wenn nach Kinderlosigkeit eine Frau ein Kind bekommen hat.

Nach der Vorstellung der Dorfbewohner handelt es sich hier um eine heilige Quelle.